Der Isis-Kult geht zurück bis in das dritte Jahrtausend und reicht bis in die römische Kaiserzeit. Bereits in den ältesten Inschriften, den Pyramidentexten der Königsgräber um 2.300 v. Chr., finden wir Isis als eines der bedeutendsten Mitglieder der ägyptischen Götterhierarchie. Sie ist in der Enneade von Heliopolis die Tochter von Geb und Nut, dem Himmel und der Erde und die Gattin bzw. Schwester von Osiris, dem grossen Herrscher über Diesseits und Jenseits, der mit Hilfe seiner Schwestergattin Isis den Tod besiegte. Aus den Titeln, die sie trägt, geht hervor, dass Isis ursprünglich eine Urgöttin und Allmutter war. In der ägyptischen Litanei wird Isis als Universalmutter und Königin des Himmels angesprochen – Ausdrücke, die sich in der Litanei der katholischen Madonna wiederfinden.
Der Sohn von Osiris und Isis ist Horus, Herrscher über das Reich der Lebenden. Isis, dargestellt mit dem Horusknaben im Arm, den sie gerade stillt, erinnert höchst exakt an die Darstellungen der Mutter Maria mit dem Jesuskind. Im mystischen Sinn ist das Bild der Isis mit dem Horusknaben eine Darstellung der Wiedergeburt des Gottmenschen und steht in Zusammenhang mit dem Mythos um Seth, den Dunklen, den undurchsichtigen Bruder des Osiris. Für die Ägypter galt Horus als Vorgänger bzw. Vater aller Pharaonen. Von ihm stammen die Herrscher Ägyptens ab, die in den Blütezeiten dieser Kultur weniger unter dem in unserer heutigen Zeit so gefürchteten und abgelehnten Titel „König“ oder „Herrscher“ verstanden werden sollten, sondern als „Väter des Volkes und des Landes“. Man muss allerdings darauf hinweisen, dass diese zusätzliche Erklärung des Titels und der Funktion eines Pharao nicht nötig wären, wüsste man heute noch um die wahre Bedeutung des Königtums. Da jedoch vieles im Laufe der Zeiten vergessen worden ist, glaubt man, zur Beurteilung der Vergangenheit auf nichts anderes zurückgreifen zu können, als auf die Erfahrungen, die die Menschheit in den letzten zweitausend Jahren gemacht hat was oft zu einer grossen Fehleinschätzung der Dinge führt.
Aus der vorher erwähnten Konstellation – Horus als Vorgänger der Pharaonen ergibt sich natürlicherweise eine Beziehung zwischen dem Herrscher über Ägypten und der Grossen Mutter Isis. Bei der Thronbesteigung wird der Pharao als Horus, Sohn der Isis, proklamiert. Er erhält seine Legitimation erst durch Isis, der Königinmutter, die ihm seine Herrschaft garantiert. In einer Inschrift steht zu lesen: „Ich bin Isis, ich wache! Ich bin die Mutter des Horus, ich bin die Schwester des Osiris, ich bin die Zauberkräftige, ich bin die grosse Jungfrau. Siehe, ich bin an deiner Seite, ich bin es, die dein Herz liebt.“ Als die „grosse Jungfrau„, die alles aus sich selbst hervorbringt, ist Isis die Urmutter, die über alle Schöpfungskräfte und damit auch über geheimes Wissen und Zauberkräfte verfügt. Eine Inschrift rund um den Grabstein der Isis und des Serapis (Osiris) lautet: „Unbefleckt ist unsere Frau Isis„. Als wissende, reine und zauberkräftige Jungfrau beschützt Isis den Pharao, wie sie einst ihren Sohn Horus gegen Seth geschützt hat, und bleibt ihm auch nach dessen Tode nahe.
Isis und Osiris waren Universalgottheiten für die Lebenden und für die Toten und besassen in ganz Ägypten eine zahlreiche Priesterschaft. Damit der Verstorbene den sicheren Weg ins Totenreich fand, ohne den verschiedenen Prüfungen zu erliegen und um die Schwellen passieren zu können, bedurfte er der sorgsamen Vorbereitung und geistigen Führung der Priester. Das von den Priestern verfasste „Buch des Verborgenen Aufenthalts“ auf Papyrus, Mumienbinden und Grabwänden enthielt magische Formeln für die Reise der Seele ins Jenseits. Während sich die Seele auf ihre Reise vorbereitete, rezitierten die Priester Gebete und Litaneien, wie z.B. die Hymne an den Totenpriester Osiris: „Sei gegrüsst, Osiris, Herr der Zeit, dessen Name dauert im Munde der Menschheit!“ Der Tote IST Osiris und durchlebt dessen Todesschicksal, um sich dann, geleitet von Isis, auf der Totenbarke über den Nil fahrend auf die letzte Reise zu begeben.
Die Osirisfeiern von Abydos und die Bedeutung von „Isis“
Abydos ist die älteste Königsnekropole und war der wichtigste Kultort des Osiris. Hier hatte Isis, dem Mythos zufolge, die zerrissenen Teile des Osiris zusammengefügt, ihn mumifiziert und neubelebt. In Abydos und an anderen Orten, wo Isis die von Seth zerstreuten Glieder des Osiris geborgen hatte, fanden alljährlich Festfeiern statt. Von solchen Osirisfeiern berichtet Herodot, der sie bei Sais im Nildelta erlebt hat: „In Sais befindet sich ein heiliger Bezirk mit einem Grab – den Namen dessen, dem es gehört, will ich in diesem Zusammenhang aus frommer Scheu nicht aussprechen. An diesem See veranstalten die Ägypter des nachts Spiele von den Leiden des Osiris, die sie Mysterien nennen. Darüber will ich, obwohl ich einiges mehr über die Einzelheiten weiss, Schweigen bewahren.“ Herodot berichtet hier von „Passionsspielen„, die in Ägypten etwa seit 1.850 v. Chr. bis in die römische Kaiserzeit gefeiert wurden.
Mythologie
Das Ritual einer solchen mehrtägigen Feier aus Abydos ist auf einer Stele des Pharao Sesostris III. erhalten. Es handelt vom Tod des Osiris, der Totenklage und der Suche der Isis, der Auffindung und Belebung des Osiris und der Zeugung des Horus. Eine Priesterin in der Rolle der Isis begibt sich dabei auf die Suche nach dem zerstückelten Osiris. Sie hält das Sistrum, das zeremonielle Instrument der Isis, dessen Klingen Seth und die dunklen Mächte abwehren soll. Das Sistrum besteht aus einem U-förmig gebogenen Blech mit Griff, durch welches lockere Stäbchen gesteckt sind. Durch rhythmische Schläge geraten diese Stäbchen in Bewegung und erzeugen so den typischen Klang. Isis hält auch das Gefäss mit dem Wasser des Lebens und das Ankh-Zeichen (Henkelkreuz), das Leben und Belebung bedeutet. So ist Isis selbst noch auf den Statuen der Römerzeit zu sehen. Trauernd und klagend zieht sie einher, begleitet von einem Priester, der den Gott Anubis verkörpert. Isis sammelt die Gebeine und fährt dann auf einer Totenbarke über den Nil. In der Osiriskapelle von Abydos war aus Lehm und Getreidekörnern, mit Nilwasser getränkt, eine Mumie gebildet worden, die in Leinentücher gewickelt und mit dem üblichen Schmuck des toten Pharao versehen war. Sie wurde in einen ausgehöhlten Baumstamm gelegt, in dem die Körner zu keimen begannen.
Nun beginnt die Nacht der grossen, feierlichen Totenklage, an der auch die Gläubigen teilnehmen, die in einer Wallfahrt alljährlich zu den Osirisfesten kommen. Die Nacht ist eingeteilt in die „Stundenwachen des Osiris„. Für jede Stunde sind bestimmte Rituale und Gebete vorgeschrieben. Während die Priesterinnen die Totenklage halten wie einst Isis und ihre göttliche Schwester Nephthys, bringen die Priester Öl und Salben dar, Weihrauch und Myrrhe, und rezitieren Gebete. Schliesslich benetzt Isis den Gemahl mit dem Wasser des Lebens, dazu stimmen die Priester eine Litanei an: „Osiris, lebe, erwache, erhebe dich!“ Bei den ersten Sonnenstrahlen erwacht Osiris zu neuem Leben, von Isis, den Priestern und der ganzen Gemeinde mit Jubel begrüsst. Isis aber wird Horus gebären, der von den Gläubigen angerufen wird: „Heil dir, Horus, der du aus Osiris hervorgehst und von der göttlichen Isis geboren wirst, du ‚Seele des Osiris!“
Isis ist für Horus eine liebevolle, beschützende, bewahrende Mutter, und die Ägypter wünschen, dass die Söhne des Landes im Schutze der Isis heranwachsen mögen. Auch das tägliche Leben wurde von einem osirianischen Rhythmus bestimmt: Die Feiern fanden im November statt, zur Zeit, da die neue Saat zu spriessen beginnt. Die Osirismumie, aus Getreidekörnern gebildet und mit Nilwasser getränkt, symbolisiert, dass zugleich die Lebenskräfte der Natur geweckt würden und somit Tod und Leben nur zwei Gesichtspunkte ein und derselben Sache wären. Der Tod ist genauso Teil des ewigen Lebens wie das, was wir Leben nennen.
Symbole der Isis
Bereits erwähnt wurde das Ankh oder Henkelkreuz oder in einer anderen Bezeichnung der „Baum des Lebens„. Durch diese Form symbolisierten die Ägypter auch das Leben selbst als eine andere Form von Isis oder Venus. Der Baum ist das Symbol des im Geiste wiedergeborenen Menschen. In seinen Grundzügen gleicht das Ankh einer menschlichen Gestalt mit einem Fuss, einer kreuzförmigen horizontalen Ausdehnung und einem Dreieck oder Kreis im oberen Teil. Der Kreis versinnbildlicht die ewige Wiederkehr aller Dinge, das in ständigem Flusse geeinte Universum. In astrologischem Schlüssel ist das Ankh ein Symbol für Venus, und genauso wie beim Symbol des Planeten Venus stellt der Kreis beim Henkelkreuz in bezug auf den Menschen die Herrschaft des Geistes, den Sieg über das Niedere, Dunkle, Materielle dar. Eine Abwandlung des Ankh ist das Tau (oder T), dem der kreisförmige obere Teil fehlt und das den oben erwähnten Baum des Lebens sowie die Waage der Gerechtigkeit darstellt.
Die Barke der Isis ist die Barke des Mondes, auf der sich der magische Spiegel befindet, mit Hilfe dessen die Göttin die verstreuten Reste ihres mystischen Gatten entdeckte. Einmal im Jahr wurde anlässlich der Festlichkeiten zu Ehren der Isis eine Barke von Priesterinnen zum Berge Athyr gebracht. Anlässlich dieser Zeremonie assen die Priesterinnen runde, flache Brötchen, die ein Kreuz trugen, und sangen uralte Melodien, die an die Klagen der Isis erinnerten. Man nimmt an, dass das heutige „Herr, erbarme dich unser“ aus jenem Gesang entstand, den die verhüllten Priesterinnen anstimmten. Isis ist auch die Göttin des Heilens und trägt darum die Thermutis, die aus einer Aspisschlange gebildete Krone, da sie leibliche und geistige Gesundheit (Erleuchtung) verleiht. Die Schlange ist unter anderem ein Symbol der Heilkunst. Aber auch ein anderes Bild steht mit der Schlange in Verbindung: Wie diese ihre alte Haut ablegt, die ihren zu gross gewordenen Körper fesselt, so wirft der Mensch seinen physischen Körper ab und betritt die nächste Stufe seines Daseins mit erfrischter Lebenstätigkeit und neuer Kraft. So steht die Schlange für den ewigen Wechsel zwischen dem, was war, was ist und was sein wird; für das, was altert, um sich wieder zu erneuern … denn aus jedem Tod entsteht neues Leben.
Der Göttin Isis waren heilige Tiere geweiht, so der Ibis, den die Ägypter darum in grosser Verehrung hielten. Mit dem Haupte dieses Vogels wurde Isis oft abgebildet. Auch die Katze war als Sinnbild des Mondes der Isis geweiht. Der Mond war der nächtliche Seher am Himmel, und die Katze, die im Dunkeln sieht und deren Pupillen bei Nacht kreisförmig und leuchtend werden, ist seine Entsprechung auf Erden. Oft findet man an der Spitze des Sistrums, das wir bereits weiter oben erwähnten, die Abbildung des Mondes. Der Mond war infolge seines allmonatlichen Zunehmens, Abnehmens, Verschwindens und Wiederauftauchens das Symbol der Lebens-erneuerungen oder Reinkarnationen. In den ältesten Systemen finden wir den Mond immer männlich, denn die „Ältesten der Alten“ kannten viel besser die wirklichen okkulten Einflüsse des Mondes auf die Geheimnisse der Empfängnis. So war Osiris der „Gott, welcher in der Zeugung offenbar wird“. Dies bezieht sich auf geheimes Wissen, das durch die vollständige Vertrautheit mit lunaren Mysterien gewonnen wird. Und später, als der Mond mit weiblichen Gottheiten in Verbindung gebracht wurde, mit Diana, Isis, Artemis, Juno, etc., rührte diese Verbindung ebenfalls von einer vollständigen Kenntnis der Physiologie und der weiblichen Natur in physischer sowie psychischer Hinsicht her.
Auch der Nil steht in Zusammenhang mit der Göttin Isis. Er war die Darstellung des Geburtswassers der Isis oder Mutter Erde, des Mondes, der Frau. Er war, um es deutlich zu sagen, das Symbol der personifizierten Erde oder Isis und wird als der Schoss jener Erde betrachtet, als das Flussbett des heiligen, lebenspendenden Wassers.
Isis und Demeter
Im Laufe der Zeit wurde auch Isis dem Bildtypus griechischer Göttinnen angeglichen, vor allem der Demeter, mit der sie vieles gemeinsam hatte. Sie war wie diese eine mütterlich-tatkräftige Göttin, heil- und segenspendend, mit der Ober- und Unterwelt verbunden. Ihre heilige Geschichte entsprach der Geschichte von Eleusis. Wie Isis begibt sich auch Demeter trauernd auf die Suche nach einem geliebten Familienmitglied, das der Welt der Toten verfallen ist. Demeter sucht Persephone, ihre Tochter; Isis sucht Osiris, ihren Gatten. Suchen und Finden, Trauer und Jubel, Hindurchgehen durch den Tod, das Urthema der Mysterien findet hier einen Ausdruck.
Die Mysterien waren äusserlich gesehen Schulen, in welchen Wissenschaft, Gesetzgebung, Kunst, Ethik und der Kult der wahren Natur kosmischer Erscheinungen gelehrt wurden. Die Mysterien lehrten die höchsten Tugenden. Der römische Redner und Philosoph Cicero bezeugt: „Ein Initiierter muss alle Tugenden ausüben: Gerechtigkeit, Bescheidenheit, Freigiebigkeit, Treue, Enthaltsamkeit.“ Aristoteles berichtet über die eleusinischen Mysterien, dass die Mysten nichts lernten, sondern eine „innere Erschütterung“ durchlebten. Die Mysterien liessen geheimes Wissen gewinnen über das, was die Welt in ihrem Innersten zusammenhält. Der Kirchenvater Klemens berichtet, dass die in den Mysterien verkündeten Lehren das Ziel aller menschlichen Erkenntnis enthalten. Die Lehren der Mysterien gehörten zu den erhabensten Ideen der religiösen Offenbarung. Sie waren die Grundlage aller bürgerlichen, politischen und religiösen Gesetze; sie verfeinerten Gemüt und Sitten der Völker. Sogar der ungläubige Voltaire hat die Mysterien mit folgenden Worten gekennzeichnet: „In dem Chaos volkstümlichen Aberglaubens existierte eine Einrichtung, die den Menschen daran gehindert hat, in vollständige Bestialität zu versinken; es war jene der Mysterien.“
Die Mysterien der Isis
Wie bei anderen Gottheiten, so existierten auch im Kult der Isis exoterische und esoterische Riten, allgemeine Kultpraxis und Mysterien nebeneinander. Durch ihre heilige Geschichte war Isis prädestiniert zu einer Mysteriengottheit. Sie schützte jeden Eingeweihten dank ihrer Allmacht auf Erden, wie sie ihr Kind beschützt hatte und sie erweckte ihn im Jenseits zu neuem Leben, wie ihren Gatten Osiris. Der Myste wollte das Schicksal des Gottes erfahren, den Isis errettet hatte. „Getrost, ihr Mysten, da ja der Gott errettet ist: Auch euch wird Rettung aus der Mühsal sein!“ Diese Worte überlieferte der christliche Schriftsteller Firmicus Maternus als Kennwort (symbolon) der Isismysterien. Der Priester spricht ihn während einer nächtlichen Feier, so berichtet Firmicus, während ein Götterbild auf einer Bahre liegend von den Anwesenden in Klageliedern betrauert wird. Im Anschluss an diese Litaneien im Dunkeln wird Licht gebracht, der Priester salbt die Teilnehmer mit Öl und murmelt den obengenannten Vers. Firmicus Maternus berichtet auch, dass die Gläubigen ausrufen: „Heurékamen, Synchaíromen“ (Wir haben gefunden, wir freuen uns alle!). Die Feier war also die „Inventio“ oder „Heúresis„, das Wiederauffinden des Osiris, wobei die Teilnehmer irrend und suchend Tod und Trauer durchlebten und dann den Wechsel zu Leben und Freude erfahren durften.
Unter allen Zeugnissen, die direkt oder indirekt von den antiken Mysterienkulten erhalten sind, ragt eines hervor: der Bericht über die Erwählung und Einweihung eines Isismysten. Er stammt aus einem Roman des Apuleius, der in seinem Leben und Werk typisch scheint für die römische Kaiserzeit. Geboren um 125 n. Chr. in der nordafrikanischen Stadt Madaura in Numidien eignet er sich als Abkömmling von Puniern oder Berbern das Lateinische genauso wie das Griechische an, studierte in Karthago wie in Athen und erwarb eine hohe rhetorische und philosophische Bildung. In dem Roman, der bis heute unter dem Titel „Der goldene Esel“ gekannt ist, durchwandert der Held Lucius eine bizarre Welt und erlebt in Eselsgestalt eine Fülle von Abenteuern. Am Schluss aber erscheint Isis als Retterin, der sich auf dieser Welt nichts und niemand widersetzen kann: Isis victrix – Isis ist siegreich. Plutarch, ein Platoniker wie Apuleius und sein Zeitgenosse, interpretiert das Suchen der Isis nach ihrem Gemahl Osiris geradezu als ein verborgenes Mysterium, als die Suche nach Weisheit und Erkenntnis. Die Göttin selbst ist für ihn die Allweise und Weisheitsliebende, denn ihr Name hängt zusammen mit Wissen (griech.: eidénai). Die Gottheit übergibt ihre heilige Lehre den Eingeweihten, und deren Ziel ist die Erkenntnis des ersten, beherrschenden und nur geistig wahrnehmbaren Wesens, das die Göttin zu suchen auffordert und das bei ihr und mit ihr und in ihr wohnt.
Der mythische Weltenberg ist von Scherben übersät, von denen Verbindungslinien zum Bild der Isis laufen: ein Symbol für die Suche nach der verlorenen Ganzheit, Isis als Hoffnungsbild für ein Ende aller Spaltung und allen Zerfalls. „Du, heilige, stets bereite Helferin und Retterin des Menschengeschlechtes, die zärtliche Liebe einer Mutter erzeigst du den Elenden in ihrem Leid! Ich kann dich, die Herrin aller Welten, nicht genügend preisen, auch wenn ich tausend Zungen hätte…“ (aus: Apuleius, Der goldene Esel; 11,25).
Von Verena Kurzböck – Artikel aus dem Magazin Abenteuer Philosophie
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