„Nun, als ich einmal darüber nachdachte, dass Sparta, obwohl es zu den Städten mit der geringsten Bürgerzahl zählt, sich offenkundig dennoch als die mächtigste und berühmteste in Griechenland erwiesen hat, wunderte ich mich, wie dies überhaupt geschehen konnte.“ – Xenophon, Die Verfassung der Spartaner
Lakonien wird der Landstrich in Südgriechenland genannt, der sich rund um die antike Stadt Sparta zwischen dem Taygetosgebirge und dem Parnongebirge im Süden des Peloponnes ausdehnt und der vom Fluss Eurotas durchflossen wird.
Mit dem Ausdruck „lakonisch“ meint man aber meist eine bestimmte Art zu sprechen, nämlich kurz, bündig und auf den Punkt gebracht. So zu sprechen, war in der Hochblüte der Kultur Spartas eine Eigenschaft, an der man die geistige Fähigkeit eines Mannes erkennen konnte, und es gibt eine ganze Reihe von Geschichten und Anekdoten, die diese Fähigkeit beschreiben: So soll etwa der spartanische König Leonidas, als er vom Perserkönig Xerxes I. einen Brief erhielt, in dem er in der blumigen Sprache des Orients über mehrere Seiten hinweg aufgefordert wurde, die Waffen zu übergeben, eine lakonische Antwort verfasst haben, die nur aus zwei Worten bestand: „MOLON LABE“ – „Hol sie dir“. Diese lakonischen Worte sind es auch, die das heutige Standbild des Leonidas bei den Thermopylen schmücken.
„Wanderer, kommst du nach Lakedaimon, so berichte, dass wir hier liegen, wie das Gesetz es befiehlt.“ – Inschrift der Gedenktafel bei den Thermopylen
Der Mythos von Sparta
Bereits zur Zeit des Sokrates war die Kultur und Tradition Spartas Legende geworden, ein gelebter und realisierter Mythos, ein antikes Utopia, ein Wunder für die restlichen Griechen. Es gibt in der Geschichte wenige Beispiele für Kulturen, in denen der Archetyp des Kriegers und Helden eine grössere Bedeutung besessen hat als in Sparta. Auf den folgenden Seiten sollen einige der Ideen erläutert werden, die mit diesem Mythos in Verbindung stehen.
Doch beginnen wir am Anfang:
Ursprung und Wurzeln Spartas
Die Ursprünge Spartas in der uns heute bekannten Abfolge stellen keine Besonderheit in Griechenland dar: Nach dem Niedergang der mykenischen Kultur wanderten dorische Stämme am Peloponnes ein und gründeten dort eine Polis, einen griechischen Stadtstaat, wie es auch anderswo in Griechenland geschah. Im durch die umliegenden Berge geschützten und fruchtbaren Tal des Eurotas wurden zuerst vier Dörfer gegründet, die sich kurze Zeit später zu einer Polis zusammenschlossen. Dieser Vorgang fand ca. 900 v. Chr. statt. Mythologisch betrachteten sich die dorischen Einwanderer als Abkömmlinge des Helden Herakles, und immer wieder werden die spartanischen Königsgeschlechter als die Herakliden bezeichnet.
Die ältesten Heldengestalten, die wir aus Sparta kennen, sind die Brüder Menelaos und Agamemnon, die Könige von Sparta und Mykene waren. Sie gelangten zu Ruhm, indem sie den Feldzug der Griechen gegen Troja anführten, nachdem der trojanische Prinz Paris dem Menelaos die Gemahlin Helena entführt hatte. In der Ilias, dem Sagenkomplex um den Untergang von Troja, den wir von Homer überliefert haben, sind diese beiden Spartaner bedeutende griechische Helden, jedoch aufgrund persönlicher Eigenschaften und weniger aufgrund ihrer Herkunft.
Gefragt, welche Tugend besser sei, Tapferkeit oder Gerechtigkeit, antwortete Agesilaos (König Spartas 398–361 v. Chr.): „Wenn alle gerecht wären, bedürfte es der Tapferkeit nicht.“
In den messenischen Kriegen gelang es den Spartanern in weiterer Folge, die umliegenden Stämme am Peloponnes zu unterwerfen und zu einer führenden Polis aufzusteigen. Die Hochblüte Spartas und die besondere Note der kriegerischen spartanischen Tradition ist jedoch auf eine Person zurückzuführen, über die wir nur sehr wenig wissen: Lykurg
„Lykurg, der ihnen Gesetze gab, durch deren Beachtung sie glücklich wurden, bewundere ich, und halte ihn zugleich für einen äusserst weisen Mann.“ – Xenophon, Die Verfassung der Spartaner
Lykurg und seine Reformen
Es ranken sich zahlreiche Mythen und Anekdoten um die Person des berühmten Gesetzgebers von Sparta, der ein im damaligen Griechenland einmaliges Staatswesen geschaffen hat. Es wird heute angenommen, dass Lykurg keine historische Person, sondern eine legendenhafte Gestalt ist, da sein Leben nur sehr spärlich belegbar ist. Bereits Plutarch, der im zweiten Jahrhundert nach Christus eine Biographie des Lykurg verfasste, gab unumwunden zu, dass alle Angaben zur Person Lykurgs umstritten sind. Andererseits entstehen grosse Werke nicht von selbst, und die Staatsordnung Spartas war ein grosses Werk, das untrennbar mit dem Namen Lykurg verbunden ist.
Lykurg reformierte die spartanischen Gesetze und erliess die Bestimmungen zur Regierung des Staates. Diese Bestimmungen wurden Eunomia, d.h. „Wohl-Ordnung“ genannt. Doch bereits in der Form seiner Gesetze unterschied er sich von den Gesetzgebern anderer Staaten, da er seine Gesetze nicht aufschrieb. Lykurg war der Meinung, dass die Kraft der Gesetze in der moralischen Verpflichtung der Bürger zu ihnen bestand, und deswegen war es wichtiger, sie den Menschen in der Erziehung in Form einer gelebten Moral zu übertragen, als sie aufschreiben. Als er einmal nach dem Sinn dieser Entscheidung gefragt wurde, soll er geantwortet haben, dass es die Aufgabe Spartas sei, Männer der Tat hervorzubringen. Und deswegen sollten seine Bürger die Gesetze auch durch die Tat kennenlernen und nicht durch das Studium von Büchern.
Einerseits war es die mündliche Überlieferung, andererseits aber auch die unabänderliche Stellung der Gesetze, die sie zu etwas Besonderem in Griechenland machten. Denn Lykurg verfügte, dass die Gesetze nicht geändert werden durften. Kein König, keine Volksversammlung, kein Senat war berechtigt, die Gesetze zu ändern. Dies konnte er dadurch erreichen, dass er die Verfassung dem Orakel in Delphi vorlegte und die Frage stellte, ob sie dem göttlichen Willen entspräche. Als das Orakel der Frage zustimmte und den Willen der Götter darin erkennen konnte, hatte er sein Ziel erreicht: Damit war jede Änderung der Verfassung zu einem Verstoss gegen den göttlichen Willen geworden und das Gesetz stand über jeder Person und über jedem Organ des Staates, es war unantastbar geworden. Lykurg hatte damit grossen Erfolg, seine Verfassung hatte mehrere Jahrhunderte hindurch unveränderten Bestand.
Als Charillos einmal gefragt wurde, warum Lykurg ihnen so wenige Gesetze gegeben habe, antwortete er: „Weil diejenigen, die nur wenig reden, nur wenige Gesetze benötigen.“
Dies unterschied Sparta stark von den anderen Stadtstaaten und vor allem von seinem klassischen historischen Widersacher, nämlich Athen. Die Grundmotivation der demokratischen athenischen Staatsordnung könnte man etwa so formulieren: Wie schütze ich die Bürger der Polis ausreichend vor der Willkür einzelner Herrschender, die ausreichend Macht besitzen könnten, um die Gesetze nach ihren persönlichen Interessen zu verändern? Daher muss die oberste Macht der Gesetzgebung beim Volk und in demokratischen Wahlen liegen. Lykurg hingegen ging den oben beschriebenen Weg, nämlich durch den Orakelspruch die Gesetze ausserhalb der Reichweite von Herrschern oder Abstimmungen zu stellen und damit die Gefahr des Missbrauchs zu bannen. Man würde die Vorgehensweise des Lykurg heute als zutiefst undemokratisch bezeichnen, aber er schuf gerade dadurch einen Staat mit starker Identität und grossem Charisma.
In den Mittelpunkt seiner Überlegungen stellte Lykurg die Werte der Selbstbestimmung Spartas, und damit die Freiheit und Autarkie der Polis. Lykurg sah in Sparta eine politische Einheit, die ihre Stärke aus der charakterlichen Stärke ihrer Bürger und ihrem Bewusstsein für Verantwortung bezog.
Die gesellschaftliche Ordnung sah drei grundlegende Stände vor: einerseits die spartanischen Vollbürger, also die eigentlichen Spartiaten, andererseits den Stand der Periöken und den der Heloten. Die Heloten waren Sklaven ohne eigenen Besitz, ein im antiken Griechenland nicht unüblicher Zustand. Sie konnten jedoch durch hervorragende Taten zu freien Menschen, also Periöken werden. Die Periöken waren die freien Menschen, die mit eigenem Landbesitz in der Umgebung Spartas lebten, jedoch keine politischen Ämter übernehmen konnten. Sie waren damit eine wichtige wirtschaftliche Stütze Spartas und besassen ein gutes Bildungssystem, sie waren in vielen Fragen autonom organisiert, aber immer der Herrschaft Spartas unterstellt. Den Kern der Polis bildeten jedoch die spartanischen Vollbürger, deren ausschliessliche Aufgabe es war, die Staatsgeschäfte zu führen und Sparta zu verteidigen.
Darin liegt die wahrscheinlich grösste Besonderheit Spartas: jede spartanische Familie besass ein landwirtschaftliches Anwesen, das von Heloten bewirtschaftet wurde und die Lebensgrundlage der Spartiaten darstellte. Damit waren die Bürger Spartas, im Gegensatz zu den Bürgern anderer Städte Griechenlands, auch ohne eigenen Beruf wirtschaftlich versorgt und konnten sich ihrer eigentlichen Aufgabe zuwenden: Sie waren freie Bürger, die am öffentlichen Leben teilnahmen und die eine kriegerische Ausbildung erhielten, um Sparta zu beschützen. Sparta besass damit das am besten ausgebildete Heer Griechenlands, das nicht aus bezahlten Söldnern gebildet wurde, sondern aus militärisch und politisch gebildeten Bürgern. Die einzige Aufgabe und das Lebensziel des Spartiaten war es also, sich für das Wohl und die Sicherheit der Polis einzusetzen. Die militärische Stärke ist auch die Erklärung dafür, dass Sparta als einzige Stadt Griechenlands keine Stadtmauer zu Verteidigungszwecken besass. Eine der Anekdoten erzählt, dass ein Besucher, der nach Sparta gekommen war, verwundert das Fehlen der Stadtmauern bemerkte. Lykurg soll ihm geantwortet haben: „Sieh dir die Bürger Spartas an, das ist die Mauer zum Schutze der Stadt.“ Tatsächlich wurde der erste Verteidigungswall um die Stadt erst in römischer Zeit angelegt.
„Im Gegensatz zu den anderen Griechen hat Lykurg auch diese Bestimmungen in Sparta eingeführt. In den anderen Städten treiben alle Geschäfte zum eigenen Vorteil, so sehr sie können; der eine ist Bauer, der andere Reeder, der dritte Kaufmann und wieder andere verdienen sich ihren Lebensunterhalt durch ein Gewerbe. In Sparta aber untersagte Lykurg den freien Männern, sich mit irgendeiner Form des Gelderwerbes zu beschäftigen; was aber den Städten Freiheit verschaffe, das sollten sie nach seiner Anordnung als ihre einzige Tätigkeit erachten.“ – Xenophon, Die Verfassung der Spartaner
Zur Zeit der Hochblüte Spartas, im fünften Jahrhundert vor Beginn unserer Zeitrechnung, vermutet man in Sparta etwa 200.000 Heloten, 120.000 Periöken und 40.000 Spartiaten. Im Heer Spartas sollen zu dieser Zeit 9.000 Spartiaten gekämpft haben. Sparta war also klein, aber dennoch lange Zeit die führende Kraft Griechenlands.
Die Erziehung der Spartiaten, sowohl männlich als auch weiblich, bildete das Kernstück der Gesetze des Lykurg. Ziel des Erziehungswesens war es, jene charakterlichen Stärken und Fähigkeiten zu stärken, die ein tapferer Krieger und eine spartanische Frau benötigt. Zu diesen Tugenden, die für die Spartaner grosse Bedeutung besassen, zählten Genügsamkeit und einfache Lebensführung, Mut und unerschütterliche Ruhe, lakonische Knappheit der Sprache, Schlauheit, sowie Respekt vor dem Alter und Gemeinschaftssinn.
In der heutigen Zeit sind die Spartaner in erster Linie durch ihre militärischen Fähigkeiten bekannt. In der genaueren Auseinandersetzung mit Sparta wird aber eines sehr deutlich: Die Spartiaten waren in ganz Griechenland bekannt als die schlagkräftige und gefürchtete Armee, aber dennoch waren sie keine Krieger um des Krieges oder des Ruhmes willen, sondern sie besassen ein starkes Bewusstsein um die Werte ihres Staats- und Sozialwesens, die sie zu verteidigen suchten. Sparta besitzt deshalb im Inneren eine Reihe von Eigenschaften, die man nicht an einem solchen „Militärstaat“ vermuten würde.
Besonders hervorzuheben ist dabei die starke gesellschaftliche Stellung der Frau. Die spartanische Frau erhielt weitgehend die gleiche Erziehung wie ein spartanischer Mann. Dadurch wurde die gesellschaftliche Gleichwertigkeit der Frau betont und gefördert, eine im damaligen Griechenland unerhörte Angelegenheit, über die sich viele Zeitgenossen lustig machten. In Athen, das stark männlich dominiert war, sprach man sogar von der „Weiberherrschaft“ in Sparta. Neben einer humanistischen Bildung war jede spartanische Frau auch in der Gymnastik und im Waffengebrauch geschult, um im Falle einer Bedrohung nicht wehrlos zu sein. Philosophisch gesehen ist es nachvollziehbar, dass die Entwicklung einer stark ausgeprägten Männlichkeit im Sinne einer starken Kriegertradition auch einen Gegenpol benötigt, wenn ein gesellschaftliches Ungleichgewicht vermieden werden soll. In Sparta war dieser Gegenpol durch die wirtschaftliche und eherechtliche Selbständigkeit der Frauen gegeben. Sparta war bekannt für die Fröhlichkeit, die gleichberechtigte Erziehung und das Selbstbewusstsein der Frauen. Das wird auch dadurch bestätigt, dass spartanische Frauen die einzigen in Griechenland waren, die gemeinsam mit Männern als Athleten bei olympischen Spielen teilnahmen und auch Siege errangen.
Die Helden Spartas
Charakteristisch für die Kampfweise der Spartaner war die Perfektion der Phalanx, der geschlossenen Schlachtreihe. Das Heer Spartas errang seine Siege dadurch, dass es selbst im grössten Getümmel die unerschütterliche Ordnung und Geschlossenheit der Phalanx bewahrte und dem Gegner eine geschlossene Reihe von Schilden präsentierte. Die Soldaten, die mit einem roten Umhang bekleidet waren und den griechischen Buchstaben Lambda als Zeichen für Lakedaimon auf dem Schild trugen, wurden in endlosen Übungen geschult, niemals die Reihe zu öffnen und dadurch eine Schwachstelle zu öffnen. Der Schild besass daher eine symbolische Bedeutung für die Gleichheit und Solidarität der Spartaner untereinander. Denn jeder Soldat wurde nicht durch den eigenen, sondern durch den Schild seines Nachbarn geschützt. Den Schild zu senken bedeutete also, aus eigener Schwäche oder mangelnder Aufmerksamkeit einen anderen Menschen in Gefahr zu bringen, und war mit hohen Strafen belegt. Der Schild war daher einerseits zum Schutz der Gemeinschaft da, er war aber neben dem Speer und dem Schwert gleichzeitig auch Angriffswaffe: Viele Siege wurden dadurch errungen, dass das gegnerische Heer mit der Schildreihe einfach zurückgeschoben wurde, dadurch in Unordnung geriet und letztlich flüchtete. Dazu drückte jeder spartanische Soldat seinen Schild in den Rücken seines Vordermannes und schob ihn nach vorne. Spartanische Soldaten waren darin geschult, diesen gemeinschaftlichen Druck bis in die vierte Kampfreihe aufzubauen.
Obwohl Paidaretos (spartanischer Befehlshaber im peloponnesischen Krieg) nicht in die Leibgarde der Dreihundert gewählt wurde, was in Sparta als hohe Ehre galt, ging er fröhlich lächelnd davon. Als ihn die Ephoren zu sich befahlen und fragten, warum er lächle, antwortete er: „Weil ich dem Staat gratuliere, der dreihundert Bürger besitzt, die besser sind als ich.“
Man kann sich vorstellen, welche enorme Disziplin und körperlichen Fähigkeiten es voraussetzt, in der ersten Kampfreihe zu stehen und mit Schild und Speer zu kämpfen, während man mit der Kraft von drei Hintermännern nach vorne geschoben wird. Das spartanische Heer war daher ein Heer, das nicht in erster Linie grosse Einzelkämpfer benötigte und hervorbrachte, sondern eine Gemeinschaft von disziplinierten und unerschütterlichen Kriegern. Auch wurden fliehende Feinde nicht verfolgt, da das als unehrenhaft galt und dabei die Phalanx geöffnet worden wäre.
Die grössten Erfolge errang das spartanische Heer während der Perserkriege. Nachdem Dareios I. um 491 v. Chr. bei Marathon von den Athenern besiegt und vertrieben worden war, unternahm sein Sohn Xerxes I. einen weiteren Versuch, Griechenland zu erobern. Er setzte mit dem grössten Heer seiner Zeit über zwei eigens errichtete Schiffsbrücken über den Hellespont und näherte sich Griechenland von Norden. Viele Stadtstaaten, wie Argos und Delphi, unterwarfen sich angesichts der Grösse der persischen Streitmacht schon vor den ersten Kämpfen. Die anderen griechischen Polis konnten sich auf keine gemeinsame Strategie einigen. Die meisten südgriechischen Städte bevorzugten eine Befestigung des Isthmos von Korinth, der eine natürliche Barriere bildet. Das hätte aber bedeutet, dass ganz Nord- und Zentralgriechenland einschliesslich Athens den Persern preisgegeben worden wäre und der persische Feldherr Mardonios die Städte einzeln leicht besiegen würde.
Leonidas und Themistokles
Ungeachtet dieser Widerstände und innergriechischer Streitereien stellten sich zwei Streitkräfte den Persern entgegen: eine Armee unter Führung des spartanischen Königs Leonidas bei den Thermopylen und eine Flotte unter Befehl des Atheners Themistokles beim Kap von Artemision. Beides waren Schlachten ohne grosse Aussicht auf Erfolg. Leonidas konnte die Passenge drei Tage lang gegen eine Übermacht verteidigen, wurde dann jedoch mit seinen 300 spartanischen Kriegern getötet. Themistokles errang, begünstigt durch Stürme, die der persischen Flotte grossen Schaden zufügten, ein Unentschieden. Weder Leonidas noch Themistokles konnten die Perser aufhalten, aber die restlichen Griechen hatten die Botschaft verstanden: Die grösste Macht Griechenlands, nämlich Sparta, hatte einen ihrer Könige in einen scheinbar hoffnungslosen Kampf geschickt, um für die Freiheit Griechenland zu kämpfen, ohne Rücksicht auf das eigene Schicksal. Und er hatte durch die fürchterlichen Verluste, die die spartanische Phalanx dem persischen Heer zugefügt hatte, auch gezeigt, dass die Griechen den Persern im Kampf überlegen waren.
Als Folge der verlorenen Schlacht bei den Thermopylen stand ein Jahr später das persische Heer bei Platää einer geeinten Streitmacht von 80.000 Griechen unter Führung des spartanischen Feldherrn Pausanias gegenüber und wurde vernichtend geschlagen. Das war der verspätete Sieg des Leonidas. Themistokles besiegte im selben Jahr die persische Flotte bei Salamis und damit war auch Xerxes an der Eroberung Griechenlands gescheitert. Der Kampf des Leonidas bei den Thermopylen steht bis heute als Symbol für den uneigennützigen Heldengeist, der das Kennzeichen Spartas war. Leonidas erweiterte die Solidarität, zu der er als Spartaner erzogen war, über die Grenzen Spartas hinaus und stellte seine kleine Armee in den Dienst ganz Griechenlands, im vollen Bewusstsein der Folgen für sich selbst.
Von Ralph Zettl – Artikel aus dem Magazin Abenteuer Philosophie
Literaturempfehlungen
Sachbücher
- Sprüche der Spartaner; Manfred Clauss, ISBN 3-458-19023
- Atlas der alten Kulturen; John Haywood, ISBN 3-8062-1963
- Sparta; Karl-Wilhelm Welwei, ISBN 3-608-94016-2
- Xenophon: Die Verfassung der Spartaner; Stefan Rebenich, ISBN 3-534-13203-3
- Sparta-Geschichte, Gesellschaft, Kultur; Ernst Baltrusch, ISBN 3-406-41883-9
Romane
- Talos, Sohn von Sparta, Valerio Manfredi, ISBN 3-492-24166-2
- Sparta, Steven Pressfield, ISBN 3-442-44722-4
Filmempfehlungen
- Der Löwe von Sparta, 1962, Regisseur: Rudolph Matè
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